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Zufallsgedicht

Ich hatte eine liebe Frau

Bertolt Brecht

Ich hatte eine liebe Frau
Die schönste auf der Welt
Da kam der Generalfeldmarschall
Und sagte: Marsch ins Feld!

Ich hab da was verteidigt
Meine Frau, die ging mir fremd
Das hat mich sehr beleidigt
Ich find es unverschämt.

Meiner Frau hau ich in die Fresse
Da bin ich nun mal so barsch.
Doch wenn ich einen Feldmarschall seh
Dann kriech ich ihm noch heut in den Arsch.

Wenn ich nicht so ein dummer Hund wär
Dann dächt ich einmal nach
Vielleicht, daß mir...

Lob

Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.

Gleich und gleich

Gleich und gleich

Ein Blumenglöckchen
Vom Boden hervor
War früh gesprosset
In lieblichem Flor;
Da kam ein Bienchen
Und naschte fein: –
Die müssen wohl beide
Füreinander sein.

An die Günstigen

An die Günstigen

Dichter lieben nicht zu schweigen,

Wollen sich der Menge zeigen.

Lob und Tadel muß ja sein!

Niemand beichtet gern in Prosa;

Doch vertraun wir oft sub rosa

In der Musen stillem Hain.

Was ich irrte, was ich strebte,

Was ich litt und was ich lebte,

Sind hier Blumen nur im Strauß;

Und das Alter wie die Jugend,

Und der Fehler wie die Tugend

Firma

Eine Firma bekommt einen neuen Chef, der für seine Härte bekannt ist. Er duldet keinen der nicht 120 % bei der Arbeit gibt, und ist bekannt dafür, Arbeiter die nicht alles geben sofort zu feuern. Also wird er am ersten Tag durch die Büros geführt und der Chef sieht wie ein Mann sich gegen die Wand im Flur lehnt.

Ehepaar im Urlaub

Ein Ehepaar beschließt dem Winter in Deutschland zu entfliehen und bucht eine Woche in der Südsee. Leider kann die Frau aus beruflichen Gründen erst einen Tag später als ihr Mann fliegen. Der Ehemann fliegt wie geplant. Dort angekommen bezieht er sein Hotelzimmer und schickt seiner Frau per Laptop sogleich eine Mail.

Man sollte nicht zu kritisch sein

Man sollte nicht zu kritisch sein

Bertolt Brecht

Man sollte nicht zu kritisch sein.
Zwischen ja und nein
Ist der Unterschied nicht so groß.
Das Schreiben auf weißes Papier
Ist eine gute Sache, auch
Schlafen und abends essen.
Das frische Wasser auf der Haut, der Wind
Die angenehmen Kleider
Das Abc
Der Stuhlgang!
Im Hause des Gehängten vom Strick zu reden
Ist nicht schicklich.

Gegen die Objektiven

Gegen die Objektiven

Bertolt Brecht

Wenn die Bekämpfer des Unrechts
Ihre verwundeten Gesichter zeigen
Ist die Ungeduld derer, die in Sicherheit waren
Groß.

Warum beschwert ihr euch, fragen sie
Ihr habt das Unrecht bekämpft! Jetzt
Hat es euch besiegt: schweigt also!

Wer kämpft, sagen sie, muß verlieren können
Wer Streit sucht, begibt sich in Gefahr
Wer mit Gewalt vorgeht

Erwartetes

Weder der Kranke wartet auf den Morgen,
Noch das Grab auf den jüngst Verstorbenen,
Noch der Teufel auf eine Sünde,
So lange, wie ich auf dich gewartet habe.

Es ist vorbei, ich will nicht, dass du kommst,
In deiner Abwesenheit habe ich dich gefunden;
Hinterlasse in meiner Illusion deinen Schatten,
Komm nicht, wozu nützt es noch?

Über dem Meer die bunte Wolke

Über dem Meer die bunte Wolke

NAZIM HIKMET

Über dem Meer die bunte Wolke
Darauf das silberne Schiff
Darinnen der gelbe Fisch

In der Tiefe blauer Tang
An der Küste ein nackter Mann
Der steht da und überlegt

Soll ich die Wolke sein?
Oder das Schiff?
Oder der Fisch?
Oder vielleicht der Tang?

Weder noch!
Das Meer musst du sein,
mein Sohn!

Mit seiner Wolke,

Sehnsucht

Sehnsucht

Heimkehren
will ich zum Meer,
hineintauchen in den blauen Wasserspiegel,
ins Meer!
Heimkehren will ich zum Meer!
Die Schiffe streben zum Horizont,
hell und weit,
ihre straffen Segel sind nicht gebläht vom Leid.
Ich wäre glücklich,
könnt ich einmal auf einem solchen Schiff Wache tun.
Da uns der Tod eines Tages gewiss ist,

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